5 Dinge die ich hier vermisse

10Feb2019

Jetzt haben wir schon Februar und die Hälfte meiner Zeit in Tansania ist schon fast um. So langsam lohnt es sich also Bilanz von meinen ersten sechs Monaten in Ostafrika zu ziehen.

Ich hatte vor meinem Freiwilligendienst befürchtet, dass mich Heimweh plagen könnte wenn man so lange von seinen Lieben getrennt ist. Meine Angst hat sich zum Glück nicht bewahrheitet, dennoch gibt es Dinge die ich manchmal vermisse (abgesehen von meiner Familie und meinen Freunden natürlich ^.^)

Hier also meine Top 5 Dinge die ich hier vermisse:

 

1.Essen

So gut Mandazi, Chipsi Mayai und Reis mit Bohnen auch schmecken. Manchmal wäre europäische oder deutsche Küche schon schön. Vor allem Käse über die Nudeln, richtiges Brot und nicht nur Toast zum Frühstück. Wahrscheinlich ist es jammern auf hohem Niveau wenn ich mir manchmal Erdbeeren und Birnen statt Mangos und Passionsfrüchten wünsche.

 

 2.Arbeitsmoral

Anderer Kulturkreis andere Arten zu arbeiten. Aber grade die Motivation und Arbeitsgeschwindigkeit der Menschen macht mich manchmal ein bisschen verrückt. Alles läuft nach dem Prinzip „pole pole“ (langsam langsam). Das kann zwar recht entspannend sein, wenn man aber unter Zeitdruck steht oder Dinge einfach im Vorherein geklärt haben will zehrt das manchmal an den Nerven. Wahrscheinlich sind die Menschen hier von unserem „Gehetze“ auch genervt. Wenn wir in der Stationary etwas ausdrucken wollen räumt der Mitarbeiter schon bereitwillig seinen Platz und lässt uns an seinen PC weil er weiß dass uns seine Arbeitsgeschwindigkeit zu langsam ist.

 

 3.Temperatur

Zugegeben, Bagamoyo ist auch der schlechteste Ort den man sich aussuchen kann wenn man keine Hitze verträgt. Vielleicht wünsche ich mir auch deshalb manchmal auch ohne Sonnenschutz aus dem Haus gehen zu können. Oder 10°C weniger um Sport machen zu können. An das dauerhafte Schwitzen gewöhnt man sich zwar irgendwann trotzdem ist es jedes Mal erschreckend wenn man sich nach einem Spaziergang zum Markt so fühlt als wäre man gerade einen Marathon gerannt.

 

 4.Nicht beachtet zu werden

Wir fallen auf. Und das lassen uns die Leute auch spüren. Dabei ist es egal ob wir nur auf den Markt gehen, Bus fahren oder mit dem Fahrrad zum Kindergarten fahren. Alle paar Meter wird man angequatscht oder einem „Mzungu“ nachgerufen. Da wäre es manchmal schon angenehmer wenn man wie in deutschen Geschäften schon fast um die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter betteln muss und nicht von Marktverkäufern am Arm festgehalten wird.

 

 5.Sicherheit

Eine Sache die ich hier wirklich zu schätzen gelernt habe, ist das Gefühl von Sicherheit in Deutschland. Gerade dass ich mich praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit alleine, frei bewegen kann ohne Angst haben zu müssen ist ein hohes Gut. Sobald es hier dunkel wird sind wir vorsichtiger und wenn wir nur zu zweit unterwegs sind gehen wir weitere Strecken auch nicht mehr zu Fuß. Auch daran gewöhnt man sich recht schnell trotzdem wäre es manchmal vielleicht ganz angenehm wenn man nachdem wir abends weg waren nach Hause laufen könnte. Vor allem weil die Temperaturen gerade nachts deutlich erträglicher sind.

Nennenswert wäre vielleicht auch noch die Verkehrssicherheit die hier manchmal sehr zu wünschen übrig lässt...

 

Der Beitrag soll jetzt nicht zu negativ klingen.  Nächste Woche kommt dann das Gegenstück: Dinge die in Tansania besser sind als in Deutschland.

hakuna matata, simba und safari: Kleines Kiswahili-Lexikon

26Jan2019

Die Sprache:

Kiswahili zählt zu den Bantu-Sprachen mit bis zu 40% Wortschatz arabischen Ursprungs. Heute findet man viele Lehnwörter aus dem Englischen (Bsp.: Kompyuta) oder noch Reste der Sprachen ehemaliger Kolonialmächte (Portugiesisch, Deutsch) wie zum Beispiel das Wort Shule oder Karoti.

 

„Mambo!“ -„Poa!“

Das ist der minimale Wortwechsel den man beherrschen muss. Die ersten Brocken Kiswahili gingen uns recht leicht von den Lippen. Auch weil Teile der Sprache auch in unseren Breiten durchaus gebräuchlich sind. Safari bedeutet zum Beispiel Reise auf Swahili. Die Sprache ist was den Wortschatz angeht sehr logisch aufgebaut: Kulia heißt zum Beispiel rechts und kula essen. Das ergibt sehr viel Sinn weil ausschließlich mit der RECHTEN Hand gegessen wird. Details die uns beim lernen durchaus zum Schmunzeln gebracht haben. Leider offenbart sich erst bei genauerem Hinsehen die Komplexität der Sprache. Schwierig wird es wenn es ans richtige einsetzten von diversen Prä- und Suffixe geht die sich abhängig von der Wortklasse des Substantives verändern. Es gibt insgesamt 15 Nominalklassen…

Die Klasse wird nicht wie im Deutschen nach Geschlecht sondern nach asexuellen Kriterien wie: menschlich, unbelebt, pflanzlich, tierisch oder der Größe eingeteilt. Jede Klasse hat eigene Vorsilben die Einzahl oder Mehrzahl anzeigen. Die m-/ wa- Klasse wird dabei für Menschen verwendet: Mjerumani (ein Deutscher) Wajerumani (viele Deutsche). Recht einfach ist dann das der Stamm bei Ländern gleich Bleibt: Deutschland ist dann zum Beispiel: Ujerumani. Je nach Wortklasse werden die restlichen Satzbestandteilen mit verschiedenen Silben angepasst.

So das war genug Verwirrung für einen Blogbeitrag! Wie schon erwähnt kommen einzelne Wörter doch recht leicht über die Lippen. Hier also mein „Must-know“ an Swahili:

 

Begrüßung:

Die Begrüßung macht einen wenn nicht sogar den wichtigsten Teil einer Konversation aus. Egal ob am Telefon oder bei einer kurzen Begegnung auf der Straße, besonders wichtig ist es erst mal einige Grußformeln auszutauschen und sich nach der Arbeit oder dem Wohlbefinden der Familie zu erkunden. Nicht selten tauschen wir mit der Frau die Chapati und Chai am Straßenrand verkauft erstmal zig Höflichkeiten aus bis wir unsere Bestellung aufgeben.

Habari? – Wie geht’s? (wörtlich: Was sind deine Nachrichten?)

Nzuri! – gut!

Salama? – Salama. (wörtlich: Friedlich)

Shikamo – (sagt man zu älteren Personen um seinen Respekt zum Ausdruck zu bringen)

Marharaba – (Ich akzeptiere deinen Respekt)

 

Und hier noch unsere Top-Favoriten an Kiswahili Floskeln die wir bis man beherrschen muss um sich einigermaßen durchzuschlagen:

Asante – Danke

Aia - kann man eigentlich immer auf alles erwidern. Heißt so viel wie: Ich habe verstanden

Hamna Shida - Kein Problem

Safi - cool (wörtlich: kühl)

Tafadhali, ninaomba wali na maharagwe – ich hätte gerne Reis mit Bohnen

Kwa heri!  - Auf Wiedersehen (wörtlich: mit Glück!)

Pole - es tut mir leid (kann man immer sagen um sein Mitgefühl auszudrücken)

Sana – Steigerungsform, einfach anhängen wenn man etwas verdeutlichen will (Bsp.: asante sana, Pole sana, safi sana…)

A Merry Chrismas and a Happy New Year!

12Jan2019

It’s the most wonderful time oft the year… oder in unserem Fall die Zeit vor der allen Freiwilligen graute: Weihnachten. Normalerweise die Zeit für Familienbesuche und viel gemeinsame Zeit zuhause. Im Vorfeld habe ich mir zu Weihnachten zwei Dinge vorgestellt: 1. Es wird sehr einsam ohne meine Familie und vermutlich eine Zeit für Heimweh, und 2. hat Weihnachten für mich immer eine Zäsur dargestellt: das war ein Datum das gedanklich sehr weit weg und Mitten in meinem Freiwilligendienst lag. Ob sich meine Befürchtungen bewahrheitet haben?

Die Zeit bis Weihnachten ist gerast. Es kommt mir so vor als wäre ich erst vorgestern in den Flieger nach Tansania gestiegen. Zudem war es schön an Heiligabend mit meiner Familie zu skypen  und gemeinsam Geschenke auszupacken aber auch traurig nicht dabei zu sein wenn „der Rest“ danach gemeinsam in die Kirche geht. Arg einsam war es trotzdem nicht, dank unserer Freunde aus Mbeya mit denen wir gemeinsam feierten.  Bei über 30°C  im Schatten kommen sowieso nicht wirkliche Weihnachtsgefühle auf. Trotzdem versuchten wir den Heiligabend ein bisschen weihnachtlich zu gestalten. Mit Weihnachtshits die die 3 Feiertage rauf und runter laufen, Bescherung nach dem Essen, heißer Schokolade und Loriots Weihnachten bei den Hoppenstedts.

Weihnachten am Strand: anders aber auch schön

Grüße von daheim :)

Spontan sind wir am zweiten Weihnachtsfeiertag noch zu der Verlobungsfeier der Schwester unserer Mentorin gefahren und wurden auch direkt zur Hochzeit eingeladen. Besonders spannend war die Veranstaltung allerdings nicht. Die Reden auf Swahili habe ich sowieso nicht verstanden und die meisten Gäste haben sich genau wie wir wohl auch gefragt was wir da eigentlich zu suchen haben.

alle in traditionellem Vitenge

Vier Tage später ging es dann auch schon mit der Fähre nach Sansibar. Erst noch eine Woche Stone Town bevor es zu Seminar geht. Die Altstadt von Zanzibar Town hat mich wirklich überwältigt. Arabisch, koloniale Gebäude kenne ich zwar schon aus den Altstädten von Mombasa, Tanga oder Bagamoyo. Ist die Sansibarische jedoch in keinster Weise vergleichbar mit denen die wir bisher gesehen haben. Alle Häuser sind hervorragend restauriert und es macht Spaß in den sauberen (!) verwinkelten Gassen herumzuschlendern, allerhand ungesundes Essen zu probieren und sich auf dem Markt mit Gewürzen und Stoffen einzudecken.

das ehemalige Wohnhaus von Freddy Mercury

die blauen Lolis sind mein absuluter Favourit! night market die Zukerwatte schmiltzt in Sekunden, das wars aber wert dere alte markt: nicht ganz so touristisch wie der Rest Stone Towns bei den Gewüzen greifen alle kräftig zu

Auf Sansibar angekommen erleben wir erstmal den totalen Kukturschock: nur weiße Touristen und man wir die ganze Zeit auf Englisch angelabert. Eigentlich auch mal angenehm nicht von jedem angestarrt zu werden weil man eine andere Hautfarbe hat. Bereitwillig machen wir also das komplette Touriprogramm einmal mit: Gewürztour auf einer Farm im Hinterland, Blue Safari mit Schnorcheln und schwimmen in einer Lagune und Seafood-Mittagessen auf einer kleinen Insel, und Abendessen in den totalen Tourilokalen.

Blue Safari Unterwasserbild vom Schnorcheln  die Gewürzfarm

Mein Fazit: Sansibar und Stone Town sind total überlaufen von Touristen, vorallem an Silvester. Schön waren die weißen Strände, das türkisene Wasser und die hervorragend erhaltene Altstadt aber trotzdem.

Auch schön war, dass wir den Geburtstag von meiner Freundin Sophia gemeinsam auf Sanibar feiern konnten.

Silvester haben wir in Paje am Strand verbracht. Unsere Vermieter in Stone Town besitzen ein Plattenstudio und haben bei einer Party in Paje aufgelegt. Kurzerhand sind alle IB-Freiwilligen mitgekommen und wir sind gemeinsam ins neue Jahr gestartet. (Natürlich mit Dinner for one, zwar in mießer Qualität und auf einem viel zu kleinen Handybildschirm für 15 Leute aber immerhin)

Happy New Year! 

Auch das Seminar fünftäige Seminar in Paje im Anschlus verlief wirklich gut. Die Themen und Gespräche waren super interessant und die Stimmung in der Gruppe war sehr entsspannt und freundschaftlich.  Wir hatten auch den Vorteil dass wir den Großteil der Theilnehmer schonn kannten es war trotzdem cool alle mal wieder zu sehen.

Rain(y)forest: 1 ½ Tage Wandern in den East Usambara Mountains

23Dez2018

Letzten Montag sind Leonie und ich in aller Früh zu der Busstation in der Nähe Bagamoyos aufgebrochen, um einen Bus nach Lushoto zu nehmen. Was wir nicht bedacht hatten, war das zur Weihnachtszeit alle zurück zu ihren Familien fahren und es fast nicht möglich ist spontan einen Bus zu bekommen. Nach einem unnötigen 6stündigen Ausflug nach Msata und dem Versuch, dort einen Bus in die Berge zu  erreichen, sind wir entmutigt und genervt nach Hause zurückgekehrt. Jetzt haben wir den Rat des Konduktas am Morgen befolgt und direkt Tickets für den nächsten Tag gebucht. Leider in dem Wissen, dass sie uns viel zu teuer angedreht wurden (22 000 TZS statt 15 000 TZS) aber dass hier gerne mal die Notsituation von Weißen ausgenutzt wird, stellten wir ja schon zuvor fest.

Also am nächsten Tag wieder das gleiche Spiel: früh aufstehen und zur Station gehen. Dieses Mal ging jedoch alles glatt und 6 Stunden später kommen wir tatsächlich im Hauptort der East  Usambara Mountains Lushoto an. Im Vergleich zu Bagamoyo ist das Klima gemäßigt. Die Temperaturen steigen selten über 25°C und die die üppige grüne Vegetation, in die Lushoto eingebettet liegt, erinnert mehr an die Alpen als an Ostafrika. Ich habe mich gleich wohl gefühlt. 

Am Bus empfangen uns schon unsere Freunde aus Mbeya die bereits einen Tag zuvor angekommen sind. Mir kommt es gar nicht so vor, als hätte ich die vier schon so lange nicht mehr gesehen. Wir verstehen uns sofort wieder prächtig. Ricarda, Sophia, Nicolas und Fabian haben noch eine andere Freiwillige aus Sansibar mit ihrem Freund kennengelernt, die sich mit uns einen Guide teilen.

Nach einem schnellen Mittagessen steht fest, dass wir noch einen nahe gelegenen Wasserfall besuchen wollen. Nach einem kurzen Spaziergang erreichen wir eine Stunde später einen schönen Viewpoint:

Das  einzige, das dem Tag einen Dämpfer verpasst, ist, dass es Sophia nach dem Aufstieg zusehends schlechter geht. Und sie irgendwann einfach umkippt. Unser Guide kümmert sich aber ganz fürsorglich und organisiert uns direkt ein Taxi ins nächste Krankenhaus. Die Ärzte stellen nichts fest und nachdem sich Sophia ein bisschen ausgeruht hat, geht es auch ein bisschen besser. Dennoch beschließt sie uns am nächsten Tag auf die Wanderung nicht zu begleiten.

Früh morgens machen wir uns, auf um zuerst einen Trail durch den Regenwald abzuwandern. Nach einem steilen Anstieg durchqueren wir Ackerflächen, auf denen vor allem  Mais angebaut wird. Auf kleinen Pfaden laufen wir direkt durch die Felder, vorbei an Wiesen mit Wildblumen und Bauern die gerade das Feld umpflügen. Dann erreichen wir die Grenze, aus Eukalyptusbäumen bestehend, die das Farmland vom Naturreservat abgrenzt.

Direkt nach der Grenze verändert sich auch die Natur sehr schnell. Die Felder weichen hohen Bäumen, Yucca-Palmen und Schlingpflanzen. An einem Bach entlang gehen wir durch den dichten Wald. Besonders schön war  dabei die Geräuschkulisse aus Wassergeplätscher und Tiergeräuschen. Vorbei an einer alten deutschen Höhle, die im ersten Weltkrieg als Stützpunkt in den Bergen genutzt wurde, erreichen wir den Peak. Mit einer schönen Aussicht werden wir leider nicht belohnt. In den Bergen hängen die Wolken, die uns bald auch Regen bringen werden.

die letzten Stufen bis zum Viewpoint

Kurz legen wir Rast ein, dann geht es auch schon weiter zur Irente Farm. Eine Rutschpartie über einen schmalen, matschigen regennassen Pfad später erreichen wir den Ort, wo wir unsere Mittagspause verbringen werden. Das von allen heißersehnte Mittagessen mit echtem Käse und dunklem Brot haben wir uns jetzt auch wirklich verdient! Fabi hat vor allem der Bresso-Ersatz beindruckt. Eine willkommene Abwechslung zu den tansanischen Reis und Bohnen.

Nach einem weiteren starken Regenschauer geht unsere Route weiter zum Irente Viewpoint. Das ist DER Punkt, auf dem gefühlt jeder Freiwillige in Tansania unbedingt ein Bild machen muss, um es dann in seiner Freiwilligenwohnung aufzuhängen. Leider auch hier: nichts als Wolken. Das ikonische Bild wird trotzdem geschossen. (Fazit: das nächste Mal besuchen wir Lushoto vielleicht besser außerhalb der Regenzeit…)

 

 

Weitere drei Stunden später ist die Sonne auch schon untergegangen und wir sind auch wieder in unserem Hostel angekommen. Geschafft aber glücklich über den schönen Tag fallen wir alle erschöpft in unsere Betten.

Blick vom Irente Viewpoint

Am nächsten Morgen stehen wir mit dem Plan auf, für eine Nacht nach Bagamoyo zu fahren und am nächsten Morgen mit dem Zug aus Dar es Salaam weiter nach Mbeya zu reisen. Sophias Krankheit ist über Nacht nur leider schlimmer geworden, sodass es ihr nicht möglich ist uns zu begleiten. Ricarda bleibt mit ihr in Lushoto. Kurzerhand ändern wir also unsere Pläne für die Weihnachten und beschließen in Bagamoyo zu feiern und nicht noch zwei Mal durch das halbe Land zu fahren.

Also doch ein tropisches Weihnachtsfest unter Palmen. :)

Unsere Arbeit ohne rosarote Brille betrachtet, was nicht ganz so rund läuft

16Dez2018

Vor ein paar Wochen habe ich über unsere Arbeit in der FSO berichtet. Ich hatte im Nachhinein das Gefühl, das der Bericht ein wenig „beschönigt“ wirkte. Natürlich läuft auch nicht hier alles rund. Also jetzt der Bericht über die Dinge die uns Probleme bereiten und ich als Herausforderung empfinde. (bitte als Ergänzung zum Bericht: „meine Arbeit in der FSO“ betrachten!)

Vor ein paar Wochen haben wir uns die Englischhefte aus dem Schulunterricht der Mädchen zeigen lassen, um uns selbst ein Bild von ihrem Wissensstand zu machen. Erschreckt hat uns dabei, dass die Mädchen theoretisch hervorragende Englischkenntnisse haben müssen. Sie haben sauber geführte Grammatik Teile die alle Themen abdecken die auch wir in der Schule gelernt haben. Dennoch sprechen die Mädchen fast kein Englisch und verstehen uns auch meistens nicht wenn wir ihnen etwas erklären wollen. Das hat uns Rätseln lassen woran es den dann mangelt. Faudiha hat schlussendlich Licht ins Dunkel gebracht. Die Unterrichtsmethoden unterscheiden sich sehr von denen, die wir in Deutschland gewohnt sind. Auswendiglernen und nachplappern, Diktate statt Essays und abschreiben statt selbst nachdenken heißt es in tansanischen Schulen. Das bedeutet, dass das Wissen eigentlich vorhanden sein sollte aber nie angewandt wird.

Zuerst wollten wir simple Geschichten mit den Mädchen durchgehen. Die Aufgabe war einfach: lest eine Seite im Buch und schreibt die Wörter auf die ihr nicht kennt. Dann helfen wir euch beim Übersetzten. Schwierig wurde es dann als ein paar der Mädchen anfingen wirklich jedes Wort auf der Seite aufzuschreiben. Sogar Namen wie John…

Also muss ein neuer Plan her. Leonie hat sich aus ihrer Bücherrei einen Lernhelfer Englisch 5. Klasse für Realschule ausgeliehen. (unsere ebook-reader und online Bibliotheken seien gepriesen!) Jetzt wollen wir das Buch Stück für Stück übersetzten und mit den Mädels durcharbeiten.  Mal schauen wie das funktioniert.

Die Mädchen sind nicht besonders motiviert selbst Armbänder zu knüpfen. Also haben wir uns überlegt einen Anreiz zu schaffen, dass den Mädchen hilft sich auf diese Arbeit zu konzentrieren.  Leonie hat auf dem Montagsmarkt TopTop Badeanzüge gekauft weil die Mädchen keine Schwimmsachen besitzen und sich nicht ins Wasser trauen, war die Idee den Mädchen auf der Sandbank schwimmen beizubringen und ihnen die Badeanzüge zu geben bei einer gewissen Anzahl an erstellten Armbändern. Kaum hatte Fau den Mädels davon berichtet waren plötzlich alle hoch motiviert mit uns zu Arbeiten. Ein bisschen Frustrierend war das schon aber  wenn’s nicht anders klappt dann muss es halt so gehen.

Natürlich liegt es nicht nur an den Mädchen wenn irgendetwas nicht besonders gut läuft. Entscheidend ist ja auch das unsere Swahili Kenntnisse, die wahrlich zu wünschen übrig lassen, die Kommunikation nicht vereinfachen. Das macht sich vor allem bemerkbar wenn wir in den Englischlektionen etwas erklären wollen.

Aber wenn sich alle ein bisschen anstrengen dann wird das schon.

 

Morgen fahren wir übrigens in den Urlaub. Zuerst in die Usambara Mountains nach Lushoto zum Wandern, dann über Weihnachten nach Mbeya unsere Freunde besuchen und über Silvester und für ein Seminar im neuen Jahr nach Sansibar. Beichte über die Reise kommen wahrscheinlich erst im Neuen Jahr :)

Bis dahin: Frohe Weihnachten und guten Rutsch!

Tansania. Jetzt auch in HD! - Reise nach Tanga und Pangani

08Dez2018

Im letzten Blogbeitrag habe ich von unseren Erlebnissen in Mombasa berichtet. Da wir aber nicht nur unsere Nachbarländer sondern auch Tansania entdecken wollen haben wir auf unserer Hin- und Rückreise Stopps eingelegt.

Hier also mein Bericht über unseren Aufenthalt in Tanga und Pangani!

Die Reise kann guten Gewissens als Gewaltmarsch bezeichnet werden. Dass Reisen in Tansania nicht angenehm ist hatten wir schon auf dem Weg nach Iringa festgestellt. Aber wirklich abzuraten ist von einer Reise durch das halbe Land im Dalla… Mit den Kleinbussen fahren wir sonst nach Dar es Salam.  Der große Unterschied ist, dass die Reise ca. eine Stunde dauert und nicht sechs wie nach Tanga.

Dafür war der Preis 10.000 Schilling (~4 €) unschlagbar. Auf gut Glück haben wir uns nach der Fahrt im überfüllten Kleinbus auf die Suche nach einem Hotel begeben. Schnell wurden wir fündig und nicht nur das: warme Dusche, Balkon und Ventilator erwarteten uns! Wahrer Luxus.

Nach kurzer Pause geht es auch direkt weiter: die „charmante koloniale Altstadt“ (die gefühlt jede Küstenstadt in Ostafrika hat) wartet auf uns. Vorbei an deutschen Kriegsdenkmälern, Gräbern deutscher Schutztruppen und verfallenen Postämtern geht es zur neuen Boma, die das Stadtmuseum Tangas beherbergt. Anscheinend wird das Museum nicht besonders oft besucht.  Der Museumsleiter gewährt uns zu Beginn erstmal eine Privataudienz in seinem Büro und fragt ob wir ihm bei der Übersetzung alter deutscher Bücher helfen könnten. Glücklicherweise hat er jedoch Verständnis dafür, dass wir nur auf Durchreise in Tanga sind und leider keine Zeit haben 200 Jahre alten Schinken zu übersetzten.

die neue Boma besagte Villeroy & Boch Fliesen

Ein netter Guide führt uns durch das Museum und erzählt uns allerhand interessantes über Fliesen von Villeroy & Boch die zum Bau des kaiserlichen Bezirksamtes (Boma) aus Deutschland importiert wurden. Den Verlauf des ersten und zweiten Weltkriegs in Tansania und die Toten Island die vor Tanga liegt auf der Kranke zum Sterben ausgesetzt wurden.

  ein deutsches Kriegsdenkmal

Nach dem kurzen Exkurs in deutsche Kolonialgeschichte haben wir uns weiter in der Stadt umgeguckt bevor es am nächsten Morgen (wieder im Dalla) nach Mombasa weiterging. Zusammengepfercht mit zwei Türken, gut einem Dutzend Tansaniern und Kenianern geht es in Richtung Grenze. Wie immer betend, dass der Fahrer Muslim ist. Es ist schlimm genug wenn der Conducter um neun Uhr morgens nach Konyagi riecht…

Besonders skurril war der Moment als wir festgestellt haben dass die Türken (die aus unerfindlichen Gründen uns für ihre besten Freunde halten und immer und überall eine Konversation mit uns anfangen mussten)  deutsch sprechen können. Hoffentlich haben sie nicht alles verstanden was Leo und ich gequatscht haben…

 

Pangani:

Kurzen Stop haben wir auf dem Rückweg nach Bagamoyo in Pangani eingelegt. Die ebenfalls koloniale Stadt ( wer hätte das gedacht?!) soll vor allem durch ihren liebenswürdigen verschlafenen und dörflichen Eindruck überzeugen können. Fest steht: Ich habe Bagamoyo für verschlafen gehalten, aber Pangani erreicht andere Dimensionen! Im Gegensatz zu dem Kuhdorf Pangani wirkt Bagamoyo wie eine ultra lebendige Großstadt… überzeugen konnte uns Pangani eher mit einem weiteren schönen Strand ^^ Von der Altstadt ist wie in Tanga auch wenig übrig und das was noch steht komplett verwahrlost und verfallen.

Pangani: noch verschlafener als Bagamoyo

Entspannt machten wir uns am Mittag mit der Fähre über den Fluss zur anderen Seite auf, auf der Buse nach Bagamoyo fahren sollen. Blöd nur dass uns verdutzt auf der anderen Seite mitgeteilt wurde: „Today? Today no Bus to Bagamyo. Tomorrow“ Also Planänderung: mit der Fähre zurück und Bus irgendwo anders hinnehmen und von da nach Bagamoyo. Ein netter Mann hat uns dann (kurz nachdem die Fähre wieder abgelegt hatte!)  darauf hingewiesen das ein Bus nach Mkata geht und wir von da vielleicht nach Bagamoyo  kommen. Gehetzt springen wir also von der gerade ablegenden Fähre und sichern uns Plätze in dem Schrottreifen Bus nach Mkata.  Schrottreif ist wirklich nicht übertrieben, der Bus hat während der Fahrt  sogar eine Fensterscheibe verloren. Leos Kommentar dazu trifft das eigentlich ganz gut:  „Tansania. Jetzt auch in HD“ Gewundert haben wir uns schon gar nicht mehr. Das in Tansania immer alles nach dem Motto: „Pole pole“ (langsam langsam) läuft haben wir inzwischen schon gemerkt. Aber das man für eine Strecke von 120 Kilometern (von Pangani nach Mkata) sechs Stunden braucht war wirklich ein neues Level. Glücklicherweise haben wir in Mkata tatsächlich noch einen Bus nach Bagamoyo erwischt. Wie durch Wunderhand sind wir also wieder zuhause und im Alltag zurück. Aber kein Problem: die nächste Reise für Weihnachten und Silvester ist schon geplant ^^

bester Moment in Tanga: fischer Joghurt direkt aus der Stadt! Luxus pur *-*

Inspiration und Erinnerungsstütze war mir für  diesen Blogeintrag Leonies Blog und ihr Video (das phänomenal geworden ist) hier der Link: https://exploringleonie.wordpress.com/

Giraffenreservat, Traumstrand und koloniale Altstadt: „Zwangsurlaub“ in Mombasa

01Dez2018

Kaum zu glauben, dass das erste Viertel meines Frewilligendienstes schon vorbei ist!

Vor drei Monaten sind wir in dieses wunderschöne Land eingereist und haben uns damals erst ein vorläufiges Touristenvisum ausstellen lassen, bis unsere endgültigen Arbeitserlaubnisse da sind. Leider haben wir keinen Einfluss darauf, wie schnell unsere Anträge in den zuständigen Behörden bearbeitet werden. Also hieß es für uns abwarten und hoffen dass die Aufenthaltserlaubnis noch kommt bevor unser Touristenvisum abläuft. Vor ein paar Wochen war dann aber ziemlich sicher, dass das nichts wird: also alle IB-Freiwilligen ausreisen. Scheint gängige Praxis zu sein das haben wir so auch schon von unseren Vorgängern gehört. Leo und ich saßen kurz darauf an unserem Küchentisch, über Landkarten brütend, wohin der „Zwangsurlaub“ gehen soll. Schnell stand fest: Kenia ist die nächste Grenze und so sind wir eigentlich nur aus diesem Grund vor einer Woche nach Mombasa, der zweitgrößten Stadt  Kenias aufgebrochen. Ohne große Erwartungen kamen wir an und wurden extrem positiv Überrascht. Lange Rede kurzer Sinn: es folgt mein Bericht über unsere drei Tage Kurzurlaub in Mombasa!

auf geht die Reise!

 

Tag 1: Großstadtjungle:

Übernachtet haben wir im YWCA Mombasa das eine hervorragende Lage (10 Minuten zu Fuß in die Altstadt)  hat. Also machten wir uns am ersten Tag auf, das charmante Gassengewirr (wie mein Reiseführer es nennt) zu erkunden. Angefangen haben wir beim Fort Jesus, die imposante Festung am Rande der alten Hafenstadt ist nicht zu übersehen und dank eines netten Touristenführers der uns umsonst das Fort gezeigt hat, weiß ich jetzt auch wie ich vierhundert Jahre alte portugiesische von britischen Kanonen unterscheiden kann und wie die Schnitzereien an arabisch-kolonialen Türen zu deuten sind.

das innere des Fort  

Die Mittagshitze haben wir in einem netten Lokal direkt am Wasser ausgeharrt und uns danach aufgemacht die wuseligen Gässchen zu erkunden, vorbei am alten Yachtclub, Kaffeehäusern und kleinen Geschäften machten wir uns gegen Nachmittag in Richtung moderne Innenstadt auf, um DAS Tourifoto schlechthin zu schießen: die Tusks die eine der Hauptverkehrsstraßen Mombasas überspannen und das Wahrzeichen der Stadt sind. Süß waren auch die Flughunde die im Park direkt daneben an den Bäumen hingen.

Zum  Abschluss des Tages sind wir noch durch die Stoff und Schneider- Straße geschändert und haben neue Tücher gekauft. Pili soll ja nicht langweilig werden wenn wir zurück kommen ;)

Mombasas tusks

Flughunde!

 

 

Tag 2: Wildlife watching:

Mombasa liegt auf einer Insel, die den kreativen Namen Mombasa Island trägt. Die Stadt hat sich über diese Insel hinaus ausgebreitet und kann nur über ein paar Landzugänge erreicht werden. Früh morgens sind wir aufgebrochen um das Nguuni Nature Sanctuary zu besuchen.

Mit dem Bus haben wir uns also in den Nordwesten der Stadt aufgemacht und Mombasa Island verlassen. Dem Conducter haben wir gesagt wo wir hinwollen und irgendwann hat er uns direkt an der Straße rausgelassen. Das Viertel war wirklich nicht schön, es hat extrem nach Müll gestunken und war so ungefähr das was wir uns in Europa unter „Slum“ vorstellen… und hier soll ein Natur Reservat sein?! Schnell haben wir das nächste Tucktuck rangewunken und uns weiterfahren lassen.  Und tatsächlich nur zwei Wegbiegungen weiter standen wir vor den Toren des Parks. An der Rezeption sagt man uns das uns das TuckTuck uns noch weiterbringen soll weil der Weg zu weit zum Laufen wäre… für ein paar Schilling mehr fährt uns der Fahrer tatsächlich mitten durch den Busch. Schon auf dem Weg sehen wir die eine oder andere Giraffe durch das Gebüsch. Wir eskalieren komplett obwohl das was danach kommt noch viel besser sein wird.

An einer großen Freifläche angekommen treffen wir einen Ranger, der uns zuerst den Vogelstrauß Penny zeigt der frei auf dem Platz rumrennt. Danach weist er uns an Platz zu nehmen und meint: „I will bring the giraffes now.“ Skeptisch folgen wir der Anweisung der Park ist viele  Hektar groß und wir fragen uns wie er das anstellen will. Aber tatsächlich: nach ein paar Minuten kommt er mit einer ganzen Giraffenherde wieder die durch Futter angelockt werden und an Menschen gewöhnt sind. Das schönste war, dass wir den Park ganz für uns alleine hatten weil wir die einzigen Gäste  waren. Besonders Spaß hat das Füttern der Giraffen gemacht, die einem regelrecht aus der Hand gefressen haben. Auch der Spanziergang danach zu den Wasserlöchern war schön.

 

 

Unser TuckTuck Fahrer von zuvor hat uns am Park wieder abgeholt und zum Haller Park gebracht, der weit aus bekannter, doch nach unserem Erlebnis  in den Morgenstunden deutlich weniger imposant war. Der Park ist sehr groß, besichtigen kann man aber nur einen winzigen Bruchteil. Es fühlt sich mehr wie ein sehr geräumiger Zoo an. Trotzdem war es schön Hippos mal so nahe zu sehen und eine Riesenschildkröte zu streicheln.

 

 

Tag 3: Strandurlaub:

Früh morgens haben wir Mombasa Island mit der Fähre in Richtung Süden verlassen. Nach einer einstündigen Dallafahrt (die hier MaTaTu heißen was uns zuerst sehr verwirrt hat) erreichen wir das Hinterland von Diani Beach. „Einer der schönsten Strände Afrikas“ wie Leo es noch zuhause formuliert hat um mich zu überzeugen Strandurlaub einzulegen, obwohl wir ja nur 500 Meter vom Strand entfernt wohnen  in Bagamoyo. Und tatsächlich muss ich einräumen, dass es eine gute Idee von ihr war. Die Hotelsuche hat sich auch als sehr einfach entpuppt. Wiedermal hatten wir Glück und haben einen netten Tucktuck Fahrer erwischt der hervorragendes Englisch sprach (noch ein Unterschied zu Tansania. In Kenia hat fast ausnahmslos jeder gutes Englisch gesprochen! Sehr angenehm) Er hat uns zu seiner Kirchengemeinde gefahren, die ein riesiges Grundstück direkt am Meer besitzt. Er ist in der „Word of life“ Gemeinde aufgewachsen und hat uns eine Unterkunft für umgerechnet 25 Dollar die Nacht besorgt. (hervorragender Deal bei den sonst extrem teuren Resorts direkt am Strand)

Nach einem Kleinen Spaziergang am Meer erreichten wir einen Strandabschnitt der uns gefällt und haben einen entspannten Strandtag eingelegt. Beim Abendessen haben  wir eine Gruppe Chinesen kennengelernt die in dem Resort abgestiegen sind. Kurzerhand wurden wir zum Schnorchel Trip am nächsten Morgen eingeladen wozu wir (vor allem wegen Leos Spontanität) zusagten. Das Abendessen am Strand haben sie uns auch ausgegeben. Praktisch, denn unser Budget war sowieso schon ziemlich erschöpft. Also stehen wir am nächsten Morgen sehr früh auf weil wir danach unseren Bus nach Tansania wieder erwischen müssen. Die Truppe macht sich im Boot auf den Weg und tatsächlich kann man durch den Glasboden im Boot schon die ersten Fische und Korallen erkennen! Sehr cool. Geschnorchelt sind am Ende nur Leo, Li und ich weil die anderen Chinesen nicht schwimmen konnten und Angst vor Wasser haben (wer bucht einen Schnorchel Trip wenn man nicht schwimmen kann frag ich mich da?!)

 

Die Aussicht, unter und über Wasser, hat sich auf jedenfall geloht.

Nach einmal schnell abduschen schnell zu Treffpunkt wo uns der Bus aufgabeln soll. Ärgerlich war nur der dieser am Ende mit drei Stunden Verspätung kam. Dabei hat uns nicht mal das Warten so sehr genervt, vielmehr die Tatsache, dass wir viel länger hätten tauchen gehen können! Egal,  immerhin haben wir einen netten Parkplatzwächter getroffen der die drei Stunden mit uns gewartet und Karten gespielt hat. Er hatte ein Handy mit kenianischer Nummer und konnte sich hin und wieder beim Busfahrer erkundigen wo sie den gerade sind was wir nur mit tansanischen Nummern nicht konnten.

Um zu dem Punkt zurück zu kommen warum wir überhaupt nach Mombasa gefahren sind: ein neues Visum haben wir Problemlos an der Tansanischen Grenze wiederbekommen. Also läuft der Countdown für die nächsten 90 Tage jetzt wieder von vorne.

Und so schlimm war unser „Zwangsurlaub“ am Ende auch gar nicht.

Auf die nächsten drei Monate! ^^

ABC and 123: meine Aufgaben im Amani Child Care Center (Teil 2)

17Nov2018

Zweimal die Woche unterstützen wir das Amani Child Care Center in Bagamoyo. Der Kindergarten liegt in einem ärmeren Teil der Stadt. Die meisten Menschen verkaufen Brennholz um mit dem Geld ihre Familie zu ernähren. Viele haben nicht mehr als 2 Dollar am Tag um eine mehrköpfige Familie zu ernähren. Der Kindergarten ist kostenlos für die Familien, was sonst nicht üblich ist.

Der Kindergarten von Außen Die Straße in der der Kindergarten liegt

Im Kindergarten arbeiten zwei Lehrerinnen die ca. 40 Kinder zwischen drei und sechs Jahren betreuen. Der Kindergarten ähnelt hier eher einer Vorschule. Auf dem Stundenplan stehen Englisch, Mathematik, Kiswahili und Naturwissenschaft. Jedes Kind hat seine eigenen Hefte in die wir die (Haus-)aufgaben individuell schreiben.

Meistens unterstützen wir die Lehrerinnen in der Babyclass. Die Kinder sind zwischen drei und vier Jahre alt und werden in drei Kleingruppen von 5 bis 10 Kindern aufgeteilt wir üben mit den  Kindern lesen und schreiben des Alphabets auf  Englisch und Kiswahili, Silben und einfachen Wörtern. Zumindest versuchen wir das. Den Kindern mangelt es an Respekt vor uns. Wenn die Kinder nicht das machen was die Lehrerinnen wollen bekommen sie hiebe mit einem Stock. Madame Pili hat mir neulich auch einen in die Hand gedrückt und gesagt ich soll einfach Schläge verteilen wenn sie mir nicht antworten. Als ich schockiert reagierte und gesagt hab, dass ich sowas nicht mache, haben mich die Beiden nur ausgelacht. Dass die Kinder geschlagen werden hört sich auch schlimmer an als es eigentlich ist. Keins der Kinder wird wirklich verletzt. Es geht vielmehr um die Angst der Kinder und den Respekt vor den Lehrerinnen. Trotzdem haben die Kinder irgendwann herausgefunden dass wir sie nicht anfassen werden  und seit dem tanzen sie zumindest mir auf der Nase herum. Besonders beliebt ist dabei ständiges antatschen und mir an den Haaren ziehen. Nach der „Arbeit“ in den Kleingruppen auf das die Kinder wirklich keine Lust haben, schreiben wir ihnen Aufgaben die sie dann sofort mehr oder weniger schlampig erledigen. 

Gefrühstückt wird auch im Kindergarten. Gegenüber verkauft eine Mama Uji, sehr flüssiger Mais-Porridge an die Kinder.

Die Kinder sind schon sehr selbstständig für ihr Alter, wenn es heißt es gibt Essen gehen alle alleine zu Mama während wir sitzen bleiben und selbst essen. Sind die Kinder fertig kommen sie auch von alleine wieder zurück.

Frühstück!

Die Lehrerinnen Madame Pili und Madame Asha sind sehr freundlich und nur knapp älter als wir (was ich zunächst nicht gedacht hätte). Beide sind erst Anfang zwanzig.

Seit neustem versuchen wir uns mit Bildern verständlicher zu machen. Ein großes Problem ist natürlich auch hier im Kindergarten die Sprachbarriere. Die Kinder verstehen nicht, dass mein Swahili nicht gut genug ist um zu verstehen was sie von mir wollen. Leo hatte neulich einen kreativen Ausbruch und hat drei Din A3 Seiten mit Englisch-Swahili gestaltet. Jetzt verstehen die Kinder wenigstens was ein „Lion“ ist.

Mit Bildchen gehts besser

Heute vor hundert Jahren: Ende des ersten Weltkrieges, auch in Afrika

11Nov2018

11.11.1918:

Beim Gedenken an den ersten Weltkrieg kommen einem meist zuerst die verlustreichen Schlachten von Verdun oder in Fladern in den Sinn. Allzu oft wird ausgeblendet, dass auch in den Kolonien weit weg von Europa die blutigen Kämpfe ausgetragen wurden.  Als in Europa 1914 der Krieg ausbrach, bereiteten sich die englischen und französischen Truppen darauf vor, die vier deutschen Kolonien - Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Togo Land und Kamerun - in Afrika zu erobern. Besonders schlimm wütete der Erste Weltkrieg im ehemaligen Deutsch-Ostafrika (heutiges Tansania): Der deutsche General Lettow-Vorbeck verfolgte dort eine Guerilla-Taktik, mit der er immer neue Gebiete in den Krieg hineinzog. Um Waffen, Munition und Verpflegung zu transportieren, waren insgesamt bis zu 200.000 Träger im Einsatz.

Träger der deutschen Schutztruppen

Historiker schätzen, dass in Ostafrika rund eine Millionen Menschen an direkten oder indirekten Folgen des Kriegs starben. Hungersnöte und die spanische Grippe breiteten sich unter der Zivilbevölkerung aus die hohe Opferzahlen nach sich zogen.

Im heutigen Tansania ist der erste Weltkrieg kein Thema mehr. Das Gendenken an die Opfer in Deutschland sowie Tansania  ist so gut wie nicht vorhanden.

Nach der Unterzeichnung des Vertrags von Versailles änderte sich für die Bevölkerung in Tansania nicht viel. Die Kolonialherren wechselten, nach der Aberkennung aller deutschen Kolonien wurde das Land in britische Herrschaft gegeben. Auch ein Grund warum der erste Weltkrieg in Vergessenheit geraten ist: Der Zusammenbruch des Kolonialsystems geht erst mit dem Ende des zweiten Weltkriegs einher, dem somit für Tansania mehr Bedeutung zukommt.

Der Durchbruch der Schutztruppe Deutsch-Ostafrika über den Rowuma Mitte November 1917

 

11.11.2018:

Heute vor 100 Jahren endete der erste Weltkrieg. Vor ein paar Wochen haben wir eine Einladung zum Gedenktag in Dar es Salaam erhalten. Also haben wir uns gestern aufgemacht um der Gedenkfeier (und dem Frühstück danach) beizuwohnen.

commonwealth war cemetery

Jetzt habe ich zumindest auch  mal den deutschen Botschafter in Tansania gesehen. Die Gedenkfeier auf dem Commonwealth Friedhof war sehr festlich und kurzweilig gestaltet. Besonders an diesem Friedhof ist, dass auch deutsche Soldaten hier beerdigt liegen, deshalb wurde der Gedenktag auch von der deutschen Botschaft in Zusammenarbeit mit der British High Commission gestalltet.  Eine Kapelle des Tansanischen Militärs hat den musikalischen Rahmen geliefert.

Ein wenig enttäuscht waren bei dem danach Folgenden Frühstück, weil die Käseplatte und die Gebäck-teilchen (und der Joghurt auch!!) schon leer waren, als wir in der alten Boma in Das es Salaam ankamen. (zum Verständnis: Gebäck und Käse sind Mangelware und wenn nur seeehr teuer zu erwerben) Dem Botschafter ging es aber genauso, anscheinend hat er auch nichts mehr abbekommen nachdem er erst mal mit ganz vielen wichtigen Menschen reden musste. Er stand genauso betölpelt vor der leeren Platte wie wir.

die Boma in Dar es Salaam Stehempfang :)

Aber die Sicht von der Dachterasse hat das wieder wett gemacht:

der Hafen von Dar es Salaam

Handarbeit und Englischunterricht: meine Aufgaben in der FSO (Teil 1)

04Nov2018

Jetzt bin ich schon über zwei Monate in Tansania und eine gewisse Alltagsroutine hat sich so langsam eingestellt. Bisher habe ich aber noch nicht berichtet, was ich hier eigentlich genau mache. Also will ich in diesem Blogbeitrag unsere Arbeit vorstellen der wir von Montag bis Freitag mehr oder weniger geregelt nachgehen. Unsere Chefs Faudiha und Vincent sind beide Künstler und  zuweilen etwas sprunghaft was planen bzw. Pläne umwerfen angeht.

Aber zuerst einmal ein paar Worte zu meiner Einsatzstelle:

Die Forward Step Organisation:

Unsere Einsatzstelle die Forward Step Organization ist eine non-profit Organisation die Mädchen und junge Frauen aus der Umgebung unterstützt. Sie wurde 2011 gegründet mit der Motivation Diskriminierung von Frauen mithilfe von Kunst und Bildung entgegenzuwirken bzw. auf sie aufmerksam zu machen. Durch Workshops und Nachmittagsunterricht sollen vorallem Englisch und Mathematik Kenntnisse von Mädchen aus der Region vertieft werden. Kunst und Kreativität stehen dabei (zum Beispiel bei Theaterprojekten) im Vordergrund. Sie wollen Mädchen die Fähigkeiten beibringen, die ihnen eine bessere Zukunft ermöglichen. So gibt es zum Beispiel Workshops, in denen die Frauen den Umgang mit der Nähmaschine lernen und ihnen Wege aufgezeigt werden wie sie ihre Produkte am besten verkaufen.

Jeden Nachmittag kommen Mädchen zwischen 10 und 16 Jahren in die FSO, um die wir uns auch kümmern. Unser Fokus liegt dabei auf der Unterstützung der Mädchen beim Englisch lernen.

Die Mädchen kommen aus Familien, wo es zuhause nicht ganz so rund läuft, die also häufig finanzielle oder familiäre Probleme haben. Wir sollen sie unterstützen, dass zumindest die Schule einigermaßen läuft. In Deutschland würde man vermutlich von Nachhilfe Unterricht sprechen.

 

Manchmal gehen wir auch gemeinsam an den Strand, Chipsi essen oder haben das Festival letzte Woche besucht. Es geht auch darum, dass die Mädels ein bisschen Spaß haben und ihren Alltag zuhause mal hinter sich lassen können.

Mehrmals die Woche knüpfen wir gemeinsam Armbänder, welche die FSO in Lodges, Hotels und Restaurants in Bagamoyo verkauft. Der Erlös kommt dann den Mädchen wieder zugute. Von dem Geld werden zum Beispiel Schulgebühren oder Materialien bezahlt. 

Das mit dem Armbänder knüpfen ist inzwischen auch zu einer Hauptbeschäftigung von Leo und mir geworden. Als wir angekommen sind war der Stand, dass sich die Armbänder nur schlecht verkaufen und die Mädchen keine Lust mehr hätten sie herzustellen. Warum der Verkauf zurückgegangen ist haben wir recht schnell feststellen können: Die Armbänder waren (zumindest für unseren Geschmack) zu klobig und bunt für Europäische Touristen, die nun mal Hauptzielgruppe sind.

Ein Display von uns in der Firefly Lodge

Also haben wir und erst mal an‘s designen von neuen Armbändern gemacht und sitzen seitdem dauerhaft an unserem Plastik-küchentisch und knüpfen fleißig vor uns hin. Inzwischen sind die Verkaufszahlen auch wieder hoch gegangen und wir haben den Preis angehoben. Wir finden das auch gerechtfertigt, da wir auf fehlerfreie Armbänder setzten und uns die Produktion eines Armbands zwischen 45 min und einer Stunde kostet. Podcasts hören und Tee trinken versüßt einem die Zeit ein wenig.

 

Wie man schon der Überschrift entnehmen kann war das Teil eins meines Berichts über unsere Arbeit. Im nächsten werde ich über meine Tätigkeit im Child Care Centre Bagamoyo schreiben.

hier auch noch der Link zur Homepage der FSO: https://forwardstep.org/

Trommeln, Popcorn und Steinbänke: Das 37. International Art Festival in Bagamoyo

28Okt2018

Gestern ging das 7 Tägige International Arts Festival in Bagamoyo zu Ende. Heute möchte ich gerne über meine Eindrücke vom Festival berichten.

Zuerst einmal aber ein paar allgemeine Worte zum Festival:

Das International Bagamoyo Arts Festival ist das größte und wichtigste Kulturfestival auf dem tansanischen Festland. Es findet jährlich im Herbst statt und bietet Musik, Theater, Tanz, Akrobatik und Ausstellungen.

An jedem Festival nehmen mehrere Dutzend Kulturgruppen aus allen Landesteilen Tansanias teil. Hinzu kommen Gruppen aus anderen Sub-Sahara Ländern, überwiegend aus der ostafrikanischen Gemeinschaft. Dieses Jahr waren auch ein paar deutsche Gruppen vertreten.

Seit der Gründung des Bagamoyo College of Arts (TASUBA) im Jahr 1982 ist das Festival auf die heutige Größe und Länge von 7 Tagen angewachsen. Ursprünglich sollte das Festival, der einheimische Bevölkerung von Bagamoyo die Arbeitsergebnisse des College öffentlich präsentieren. Durch die Berichterstattung in den Medien meldeten sich jedoch bald auch auswärtige Gruppen für das Festival an.

Seit 2008 findet das Festival im neuen Theater des Colleges statt. Mit 1.500 Sitzplätzen ist es das größte Theater in ganz Ostafrika und komplett überdacht. Aber auch an anderen Stellen des College wird ausgestellt und vorgeführt.

   

Dank unserer Arbeit in der FSO hatten wir eine offizielle Einladung für das Team und mussten so nicht den horrenden Preis von 2000 Schilling (das sind immerhin ganze 75 Cent!!) bezahlen.

Meistens sind wir auf Anraten unserer Chefs hin erst gegen neun Uhr abends gegangen weil die Stimmung im Verlauf des Abends immer besser werden soll. Einmal waren wir auch mit unseren Mädels aus der Organisation mittags da. Faudiha und Vincent waren entsetzt wie wenig besucht das Festival ist. Die Ränge waren zwar zum Brechen voll aber die beiden meinten dass in den Hochphasen des Festivals die Menschen bis dicht vorne an die Bühne gedrängt gesessen haben. Vor ein paar Jahren hat der Staat die finanziellen Fördermittel für das Festival gestrichen. Darunter habe anscheinend am meisten das Programm gelitten.

 

Da ich ja keinen Vergleich habe, setzten wir uns einfach vier Abende in das Theater und haben uns von Trommelmusik und viel afrikanischem Tanz (was für mich mehr wie twerking aussah) berieseln lassen. Die Musik war dabei (typisch tansanisch) immer ein bisschen über der Schmerzgrenze zu laut. Es wird gejohlt, ausgepfiffen, applaudiert, gebuht: Das Publikum lässt die Künstler immer direkt spüren was sie von der Performance halten.

Vor dem Theater werden Popcorn, Chipsi mayai und diverse Getränke verkauft und viele Menschen sitzen entspannt zwischen den Bäumen und genießen die warme Nachtluft.

 

Ganz Bagamoyo ist da. Wir treffen wirklich jeden den wir bis jetzt ein bisschen näher kennengelernt haben: Mufti der sich als Künstler vorgestellt hatte und tatsächlich selbst vortanzt. Francis der Barbesitzer bei dem wir jeden Sonntag Chipsi mayai essen sind oder Edowa der eigentlich immer da ist wenn irgendwas passiert, bei dem wir aber noch nicht ganz genau herausgefunden haben was er eigentlich so macht.

Außerdem wimmelt es in der Stadt nur so von Weißen. Alle Hotels sind ausnahmsweise einigermaßen gut besucht und in den Restaurants wo wir normalerweise alleine sitzen ist es schwer einen Platz zu finden.  Die Stadt steht Kopf und Bagamoyo ist im Ausnahmezustand.

Ich bin jetzt nach der Woche voller Trubel aber auch wieder ganz Froh mein schläfriges, halb verlassen wirkendes Bagamoyo zurück zu haben.

Auch wir hatten die Tage über Gäste. Michael, Sarah und Max die auch mit dem IB ausgereist sind haben uns zusammen mit Lilith von deutschenroten Kreuz einen Besuch abgestattet und gestern sind Domenic und Julian, zwei Freiwillige aus Iringa spontan für einen Tag vorbei gekommen. Also auch bei uns full house.

Ich hatte aus Sicherheitsgründen leider nur an einem Tag mein Smartphone dabei um Bilder oder Videos zu machen. Leider nicht gestern, also am letzten Tag was mit Abstand die Besten Performances hatte. Aber ich denke es reicht um einen groben Eindruck vom Festivalcharakter zu bekommen.

Der Eingang des College

 

Geld, Preise und Gehalt: Was kostet Tansania?

21Okt2018

Besonders am Anfang konnte ich die Preise in Tansania nur ganz schlecht einschätzen, weil sich alles ein bisschen nach Spielzeuggeld anfühlte. Scheine gibt es erst ab 1000 Schilling und immer mit 5000 TZS-Scheinen zu bezahlen hat sich zuerst schon komisch angefühlt.

Andererseits ist es merkwürdig, dass der höchste Wert in Scheinen 10 000 Schilling ist. Wir heben meistens 200 000 – 250 000 Schilling ab um die Gebühren so gering wie möglich zu halten. Der Bankautomat spuckt dann immer ein richtig dickes Bündel Scheine aus. Ein unangenehmes Gefühl mit einem so dicken Geldbeutel rumzulaufen.

Man kann die tansanischen Preise natürlich eigentlich nicht mit den deutschen vergleichen, die Arbeitskraft ist bedeutend geringer als in Deutschland. So verdient ein normaler Angestellter im Monat circa 115 000 TZS (50 €), Polizisten offiziell 400 000 TZS (170 €) ein englischsprachiger Guide für Safaris ca. 350 000 TZS (150€).

Trotzdem freuen wir uns jedesmal ein bisschen wenn wir eine Tüte Popcorn für 500 Schilling kaufen, wir haben dann immer das Gefühl ein rießen Schnäppchen gemacht zu haben.  Vor allem weil man für den Preis einer Tüte Popcorn in Deutschland 10 bis 20 Tüten hier bekommen würde.

Ein Euro entspricht ungefähr 2600 Schilling. Ich liste hier mal ein paar Preise auf, weil ich denke es ist auch mal ganz interessant zu sehen, was das Leben in Tansania kostet:

 

Lebensmittel:

Lebensmittel sind in Bagamoyo verhältnismäßig teuer. Unsere Freunde waren entsetzt von den Preisen und dachten zuerst der Verkäufer würde sie mit Weißen-Preisen abziehen wollen. Ergo sind  meine Beispiele nicht allgemeingültig für tansanische Preise.

Ein 12 Liter Kanister Wasser:

3500 Schilling (1,32€)

Ein Chapati (Frühstückspfannkuchen):

300 Schilling ( 0,11 €)

Eine Banane:

200 Schilling ( 0,07 €)

Ein Kilo Kartoffeln:

1500- 2000 Schilling (0,50 € – 0,75€ )

Coca-Cola im Restaurant:

500-2000 Schilling (0,19 € – 0,75 €)

Eine Papaya (außerhalb der Saison):

2000 Schilling (0,75 €)

Eine Portion Reis mit Bohnen in der Uni-Kantine

1000 Schilling (0,38 €)

 

Transport:

Eine Busfahrt in Dar es Salaam:

500 Schilling (0,50 €)

Von Bagamoyo nach Dar es Salaam:

( 1 ½ - 3 Std Fahrt):

1200 Schilling (4,52 €)

TucTuc Fahrt in Bagamoyo:

2000 Schilling am Tag / 3000 bei Dunkelheit (0,75 € – 1,13 €)

Pikifahrt (Motorradtaxi):

1000 Schilling (0,38 €)

Fahrradausleihen in Bagamoyo  (24 Std):

 

20 000 Schillling (7,50 €)

Mit dem Zug von Dar es Salaam nach Mbeya

(1 ½ Reisetage) in  der 1. Klasse:

40 000 (15€)

 

 

 Kleidung:

Eine Kanga (Tuch, das als Wickelrock getragen wird):   

5000 – 10 000 Schilling (je nach Qualität) (1,88€ - 3,77 €)

Eine Kitenge (festerer Stoff um Kleidung zu Nähen):

10 000-30 000 Schilling (je nach Größe und Qualität) (3,77€- 11,30)

Unsere Schneiderin für ein Kleidungsstück:

15 000 Schilling (5,50 €)

Ein Kleidungsstück auf dem Secondhand Markt:

500 Schilling (0,19 €)

 

Tageseintritt Bagamoyo International Art Festival

2000 Schilling (0,75€)

 

 

Außerdem finde ich, dass das Geld auch sehr hübsch aussieht :)

„Bildest du eine Frau aus, bildest du eine ganze Nation." - Internationaler Mädchentag

13Okt2018

Noch vor fünf Uhr morgens klingelte mein Wecker. Svenja und ich machten uns nach einem schnellen, obligatorischen Kaffee auf um Faudiha zu treffen. Die Dunkelheit und die „kalte“ Morgenluft (auch wenn es kaum weniger als 24°C um halb sechs morgens haben dürfte) helfen nicht wirklich meine Müdigkeit zu vertreiben. 

Svenja ist bereits am Abend davor zu uns gekommen und wir saßen noch recht lange an unserem Küchentisch und haben Armbänder geknüpft und gequatscht. Die Folgen, die ich am nächsten Morgen zu spüren bekam beschrieb ich ja bereits oberhalb. Leonie konnte uns leider nicht begleiten. Sie hatte sich Malaria eingefangen und musste sich schonen (wir waren gestern beim Arzt die Malaria ist inzwischen wieder abgeklungen)

nächtliches Armbandknüpfen

Wir waren spät dran also sind wir bis zur Hauptstraße geschnürt und haben uns dann jeder auf ein boda-boda (Motoradtaxi) geschwungen und uns die 20 Minuten Fußweg zum Markt gespart. Bisher habe ich die piki-piki Fahrer immer gemieden, weil ich immer ein bisschen Angst hatte bei irgendjemanden aufs Motorrad zu steigen. Ein Vorteil hatte meine Müdigkeit also, sie hat mir die Entscheidung abgenommen ob ich jetzt wirklich da aufsteigen will oder nicht. Jetzt habe ich auch meine erste Pikifahrt hinter mich gebracht (so schlimm war es eigentlich auch gar nicht). Faudiha und Svenja haben mich wie ein Auto angeguckt, als ich danach meinte, dass das meine erste Fahrt auf einem Boda-boda war.

der Sonnenaufgang macht das frühe Aufstehen wieder wett

Zusammen mit Mädchen aus der Umgebung haben wir uns in drei Schulbussen nach Kibaha aufgemacht. Die Stadt liegt ein Stück entfernt im Landesinneren und ist die Hauptstadt der Region Pwani in der auch Bagamoyo liegt. Nach einer zwei stündigen Fahrt über holprig, staubende dirt roads (Wikipedia nennt es Naturstraßen) erreichten wir die Ausläufer der Stadt, wo die Veranstalter große Zelte auf einem weitläufigen Platz aufgebaut hatten. Verschiedene Schulen und Organisationen aus der Region Pwani, die sich für die Stärkung der Mädchenrechte einsetzten waren angereist um ihre Arbeit zu präsentieren und mit den eingeladenen Mädchen den Tag zu feiern.

unser Stand

 

International Day of the Girl Child 2018

Der Internationale Mädchentag ist ein von den Vereinten Nationen initiierter Aktionstag. Er soll in jedem Jahr am 11. Oktober einen Anlass geben, um auf die weltweit vorhandenen Benachteiligungen von Mädchen hinzuweisen.

 

Das sagt zumindest Wikipedia. Ich habe das alles eher als eine riesige Party erlebt. Die Boxentürme haben das gesamte Viertel mit Bongo Flava beschallt und die Mädels haben ausgelassen gefeiert. Eine Schule hatte Theater-Sequenzen zum Thema Kinderheirat und Zwangsehen vorbereitet. Kinderehen sind besonders in den ländlichen Regionen Tansanias immer noch keine Seltenheit. Eine Studie von UNICEF aus dem Jahr 2016 berichtet, dass in Tansania 37 Prozent der Mädchen heiraten, noch bevor sie 18 Jahre alt sind. Meistens werden sie dann auch in jungen Jahren schwanger und brechen die Schule frühzeitig ab. Sie befinden sich damit in einer Spirale aus Abhängigkeit und Armut, der sie nur schwer entkommen können. Der internationale Mädchentag soll auf diese Verletzungen der Menschenrechte hinweisen und Lösungsansätze hervor bringen.

Fau stellt die FSO vor Party!

Auch deshalb ist der Tag für die Forward Step Organization, als Mädchen- und Frauenrechtsorganisation natürlich besonders wichtig. Die Menschen waren interessiert an unserer Arbeit und wir sind fast alle Flyer losgeworden. Der Tag war also ein echter Erfolg für uns! (abgesehen von dem wirklich schmerzhaften Sonnenbrand den ich mir an den Tag zugezogen habe)

viele interessierte locals nach der Vorstellung der FSO

Das Zitat in meiner Überschrift ist ein afrikanisches Sprichwort, das ich recht passend zu dem Beitrag fand.

Maasai-Decken, ungewohnte Kälte und Kulturschock: 5 Tage Iringa

07Okt2018

„Das malerische, entspannte Städtchen auf einem Felsplateau mit Blick auf die Tabak- und Maisfelder in der Ebene verspricht in der Höhe von über 1600m moderate Temperaturen.“

Das sagte mir mein Reiseführer als ich Iringa vor unserer Reise nachgeschlagen habe. Mein erster Eindruck: moderate Temperaturen ist die Untertreibung des Jahrhunderts! In Iringa ist es kalt. Zumindest wenn man übernächtigt und an heiße Küstenluft gewöhnt nachts aus dem Reisebus steigt. Svenja war anscheinend besser informiert und konnte mir einen Pullover für den ersten Abend leihen.

Vor ein paar Wochen haben wir durch Zufall andere volunteers in Bagamoyo kennengelernt, die in Iringa in Projekten arbeiten. Gastfreundlich wie Frewillige eben sind haben sie uns aufgenommen, was angesichts des abartig großen Hauses auch kein Problem darstellte. (mein persönliches Highlight stellen die warmen Duschen und die Haushälterin die putzt und kocht dar)

Die meisten der Freiwilligen sind unter der Woche in Kinderdörfern im Umland und kommen nur am Wochenende in die gemeinsame Unterkunft.  Also teilten wir mit Eva, Dominic und ihrem Hund Birki (die einzigen dauerhaften Bewohner des Hauses) die vielen Schlafzimmer.

Iringa blickt, wie Bagamoyo auf eine Kolonialvergangenheit zurück. Deutsche Schutztruppen errichteten im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Festung an diesem Ort aufgrund der strategisch günstigen Lage. Daher auch der Name: Iringa bedeutet deutsche Festung in der Sprache der Hehe.

Besonders Relikte wie die Markthalle oder die Boma (ehemaliges kaiserliches Bezirksamt) weisen auf die vergangen deutschen Tage des Städtchens hin.

in der alten Boma

Genug geschichtlicher Exkurs: warum waren wir eigentlich in Iringa? Faudiha hatte einen Job als Schauspielerin angeboten bekommen und uns gefragt ob wir mitkommen wollen um ein bisschen was vom Land zu sehen. Wer sagt da schon nein? Eva und Dominic kümmerten sich sehr gut um uns und gaben einige Tipps was man auf keinen Fall verpassen darf: gemeinsames Sonnenuntergang gucken auf der „Schildkröte“ (der Berg sieht anscheinend so aus wie das Tier), die besten Chipsi mayai in Tansania (sie waren wirklich sehr gut) und ein Besuch des Neema Cafés (es gibt richtigen Kaffee aus Bohnen und nicht nur Instant-Brühe!!!) standen auf dem Plan. Da die Beiden morgens arbeiten musste, vertrieben wir uns die Zeit mit Shopping auf dem Kleidermarkt. In Bagamoyo gibt es keinen durchgehenden Second-hand Mark, lediglich auf dem Montagsmarkt TopTop wird Kleidung angeboten. Iringa hat da ein deutlich besseres Angebot. Für 500 Schilling kann man Teile auf den Wülltischen erwerben, an Bügeln aufgehängte Kleidung ist meistens teurer. Leonie hat kräftig zugegriffen aber auch bei mir erweitert sich die Garderobe um einen Rock und eine Bluse.

Shopping!

Im Neemas arbeiten gehörlose und körperbehinderte Menschen. Die Produkte kann man im Shop kaufen und die Einnahmen kommen wiederum der Initiative zugute. Die Werkstätten kann man auch besichtigen, was wir natürlich gemacht haben. Von Kissenbezügen über Tische, Lampenschirme bis hin zu Schmuck wird alles von Hand gefertigt. Die Sachen waren alle richtig schön und es war cool zu sehen wie die Menschen arbeiten. Die Arbeitsatmosphäre war sehr entspannt. Für uns war der Besuch besonders interessant, da wir in unserer Organisation auch Schmuck und bald genähte Sachen herstellen und sich vor allem Svenja und Faudiha nützliche Tipps und Kontakte sichern konnten.

Auch der Maasai Markt hat es uns angetan, auf ihm werden traditionelle Maasai Decken, geschnitzte Figuren und geflochtene Körbe verkauft. Für Leonie und mich sprangen jeweils ein Paar goldene Ohrringe in Giraffenform raus.

Am letzten Tag besuchten wir das matumaini centre in dem auch eine Freiwillige arbeitet. Das Centre kümmert sich um single-mothers die in der Gesellschaft eine schwierige Stellung haben. Die Frauen arbeiten dort als Schneiderinnen und die Kinder werden betreut. Ich habe mit einen neuen Beutel aus Kitenge gekauft.

Besonders aufgefallen ist mir der Unterschied in der Mentalität der Menschen, im Vergleich zu den Swahili an der Küste. Wir haben erstaunlicherweise mehr abfällige Blicke bekommen für nicht bedeckte Schultern oder Knie. Bei uns hatten wir damit bis jetzt nie ein Problem. An einem Punkt hat sogar Faudiha trotz hoher Temperaturen wieder ihren Pullover angezogen weil die Leute ihr zu viele negative Blicke zugeworfen haben. Erstaunt hat mich das vor allem, da man auf Grund der Religion annehmen könnte, dass die Küstenbewohner strenger sind was Kleiderordnung angeht. Die Küste (also auch Bagamoyo) ist zum Großteil muslimisch geprägt während im Landesinneren das Christentum als Religion vorherrscht.  Wir haben den strengeren Umgang dann auf die „moderateren“ Temperaturen zurückgeführt, die es auch erlauben lange Hose und Pullover zu tragen. In Bagamoyo unvorstellbar.

Überraschenderweise haben wir im Gegensatz dazu aber weniger Kommentare von Männern auf der Straße bekommen. Es hat uns auch niemand angefasst, was vor allem auf unserem Markt fast an jedem Stand vorkommt. Man gewöhnt sich daran, dass die Händler uns am Arm festhalten und blöde Sprüche abgeben. Da hat man sich in Iringa schon fast ignoriert gefühlt. Auch haben die meisten uns wie locals behandelt: keine mzungo-Preise und freundliche Gespräche auf Swahili.

Die Alleen sind gesäumt von blauen Jacaranda Bäumen die in voller Blüte standen. Die Straßen sind zu Großteil geteert und in ungewohnt gutem Zustand, bei uns sind die Straßen von Schlaglöchern durchsetzt, so groß das Kinder darin spielen können. Ganz zu schweigen das bei uns fast alle Straßen dirt roads sind. Ein wahrer Kulturschok so saubere und gepflegte Straßen zu sehen.

Auch die 10 Stunden Fahrt lässt sich ganz gut ertragen, was vor allem auch am Mikumi National Park liegt den man auf der Stecke von Dar es Salaam nach Iringa durchquert. Direkt aus dem Bus kann man sozusagen „kostenlos“ Giraffen, Elefanten, Zebras und Garzellen aus nächster Nähe beobachten.

Elefantenherde!

 

Fazit: Wir kommen gerne wieder!

 

Workshop und Art Festival in Dar es Saalam

29Sept2018

Bereits vor einer Woche machten wir uns mit den Mädchen auf den Weg nach Dar es Salaam zu International School of Tanganyka. Sie hatten Schülerinnen von verschiedenen Schulen zu einem Workshop eingeladen. In Kleingruppen wurden Themen wie Mental Health und Hygiene behandelt. Der Tag rief bei den Schülerinnen eine positive Resonanz hervor.

Abends besuchten Faudiha, Svenja, Leo und ich ein Kunst Festival in Dar, dass schon seit dem späten Nachmittag im Gange war. Wir haben überdurchschnittlich viele andere deutsche Freiwillige getroffen. Besonders hat uns natürlich der Auftritt einer Kunstgruppe aus Bagamoyo interessiert bei der Faudiha selbst eine Zeit lang mitgewirkt hat. In einer Halle neben dem Zelt  stellten zudem lokale Künstler ihre Werke aus.

 

Nach den Aufführungen durch Theater- und Musikgruppen, wurde die Bühne zum tanzen freigegeben, eine Band machte ordentlich Stimmung.

Die Atmosphäre des Open Air Festivals war wirklich angenehm und das Essen hat auch gut geschmeckt :)

Besonders witzig fand ich, dass wir Mufti, einen Tänzer aus Bagamoyo den wir in unserem Stammlokal kennengelernt haben, bei dem Festival zufällig getroffen haben. Tansania ist doch nicht so groß wie ich zuerst dachte…

Nicht allzu spät kehrten wir ins Hotel zurück um ausreichend Schlaf vor unserer Fahrt nach Iringa am nächsten Morgen zu bekommen.  (über meine vergangene Woche in Iringa berichte ich bald in einem anderem Blogbeitrag)

Mückenstiche, Sonnenbrand und Reis: mein erster Monat in Tansania

25Sept2018

Viel erlebt und doch ist so wenig bis jetzt passiert. Der Sprachkurs in Dar kommt mir vor als wäre er eine halbe Ewigkeit her. Dann nach Bagamoyo und zu sechst in unserer kleinen Wohnung gewohnt (wie hat das gepasst?! Jetzt unvorstellbar) Wir hatten Freiwillige und ein französisches Pärchen in ihren Flitterwochen zum Abendessen in unserer 3 qm Küche.

Wobei wir gleich beim nächste Thema wären, das Essen: es ist wohl kaum untertreiben zu behaupten, dass sich essen (oder zumindest der Gedanke daran) zu einer unserer Hauptbeschäftigungen entwickelt hat. Unsere Ernährungsweise hat sich zu 80% in Veganismus verwandelt, was auch der Tatsache geschuldet ist, dass wir keinen Kühlschrank haben um Milchprodukte zu lagern. Wobei sich unser Milchkonsum auf Instant-Milchpulver aus der Dose für den Morgenkaffee beschränkt.

  Curry typisch tansanisch: Fau hat gekocht  

Auch den hiesigen Speisen sind wir nicht abgeneigt, und wenn man Marmelade auf die Mandazis zum Nachmittagstee schmiert schmecken sie fast wie Berliner, da kommen Heimatgefühle auf.

Mandazi am Mittag hat sich eingebürgert

Selbst unser außer Rand und Band geratener Schwarztee Konsum bekommt eine Ostafrikanische Note, dank der neu erworbenen Tea Masala Gewürzmischung. (ein echtes Upgrade!)

Routiniert steht inzwischen der wuselige Montagsmarkt TopTop jede Woche auf dem Programm. Auch das Feilschen um die überzogenen Mzugo-Preise (Weißenpreise) geht uns langsam in Fleisch und Blut über. Wobei besonders Leonie recht hartnäckig werden kann wenn es um 500 Schilling mehr oder weniger geht die man der Tomatenverkäuferin bezahlt.

Vor allem der Teil des Marktes auf dem Stoff verkauft wird hat es uns angetan. Damit sorgen wir auch dafür, dass unsere Schneiderin Pili sich nicht langweilt. Bisher kamen wir jede Woche (manchmal mehrmals) mit neuen Aufträgen. Kissenhüllen, Röcke und Kleider macht sie alles in drei Tagen fertig.

bei Pili

Bis die Schulferien zu Ende gehen halten wir uns also mit Essen, Einkaufen und ausgedehnten Spaziergängen am Meer beschäftigt. Den Rest des Tages sitzen wir meistens mit einer Tasse Chai in unsere Bücher auf unseren ebook-Readern vertieft an unserem Esstisch und genießen die angenehme Kühle des Ventilators. Wahrscheinlich habe ich jetzt schon mehr Bücher gelesen als im letzten gesamten Jahr zusammen.

Besonders zur Mittagszeit halten wir uns viel im Haus auf,  die Sonne brennt vom Himmel und hat mir schon ein paar, mal mehr oder weniger schlimme Rötungen beschert.

Abhilfe verschafft unsere eiskalte Dusche. Vorausgesetzt der Wassertank ist aufgefüllt.

Bei der Vielzahl an Mückenstichen die wir uns hier jede Nacht einhandeln ist auch die Angst vor Malaria eher nebensächlich geworden. Der Spruch: „Boar, bei dem Stich habe ich jetzt aber bestimmt Malaria bekommen!“ hat sich inzwischen eher zum running-gag entwickelt.

Heute haben wir auch endlich den Unterbau für unser Sofa aus alten Obstkisten zusammengezimmert und bemalt. Außerdem haben wir uns Fahrräder gekauft um mobiler zu sein.

 Nach einem Monat fühlen wir uns jetzt schon richtig heimisch. Besonders gespannt bin ich auf die nächsten Wochen. Gestern hat die Schule in Tansania begonnen und unsere Schonfrist ist vorbei, mal sehen was die nächste Zeit bringen wird.

meine Mitfreiwillige Leonie schreibt auch einen Blog, sie würde sich bestimmt freuen wenn der ein oder andere auch bei ihr vorbei schaut :) https://exploringleonie.wordpress.com/

we do for love - Good Deeds Day Launch Meeting 2018

23Sept2018

Früh morgens, noch vor Sonnenaufgang quälten Leonie und ich uns gestern aus dem Bett um ein Dalladalla um 6:30 nach Das es Salaam zu nehmen. Unser Ziel: Das Julius Nyerere International Convention Center, das sich direkt neben der deutschen Botschaft im Süden der Stadt befindet. Der Grund für unsere Reise war eine Einladung zum Good Deeds Day launch meeting tanzania 2018. Weil unsere Chefs beide verhindert waren haben sie uns geschickt um die FSO zu vertreten.

on our way to Dar

 

Was ist der Good Deeds Day?

In Deutschland ist der Good  Deeds Day eher unter dem Namen: Tag der guten Taten bekannt. Es handelt sich um einen internationalen Tag der Freiwilligentätigkeit der 2007 ins Leben gerufen wurde. Seine Mission ist es Menschen auf der ganzen Welt zu vereinigen um Gutes für andere oder den Planeten zu tun. Seit etwa zwei Jahren beteiligen sich tansanische Organisationen an den Tag, so auch die Forward Step Organzation. Letztes Jahr haben sie zum Beispiel ein Krankenhaus besucht um Sanitär Kits zu verschenken.

Das launch meeting:

In dem beeindruckenden Saal fanden sich etwa 50 Personen ein, die meisten davon von gemeinnützigen Organisationen. Vor dem Treffen begrüßte uns einer der Veranstalter und erkundigt sich nach unseren Kiswahili Kenntnissen. Unsere Antwort: „kidogo tu“  (ein bisschen) scheint ihn nicht zu überraschen. Er versichert uns, dass sie sich Mühe geben werden einen Teil in Englisch zu übersetzten. Zu Beginn klappt das auch ganz gut aber recht schnell driften die Redner ins Kiswahili ab was für uns aber auch nicht so schlimm ist… ganz nach dem Motto: nett lächeln und winken geben wir uns Mühe so zu wirken als würden wir den Großteil auch so verstehen. Immerhin können wir die Folien lesen die auf Englisch verfasst wurden. An irgendeinem Punkt in der Diskussion meint einer  der Diskussionsleiter wohl er müsse uns ein bisschen mehr integren und fragt ob wir nicht auch was zu ergänzen haben. Ich hab mich ein bisschen wie in der Schule gefühlt, wenn man grade mit den Gedanken ganz woanders ist und der Lehrer einem eine Frage stellt. Also bin ich kurzerhand aufgestanden und habe  irgendwas improvisiert. Leonie hat mich ein bisschen bestürzt angeguckt aber dem Rest des Saales scheint es nicht weiter ausgefallen zu sein, dass ich keine Ahnung hatte worum es davor ging.

Der Saal vor der Veranstaltung

leonies Blick beschreibt die Situation ganz gut

Nach der Hälfte der Veranstaltung öffnen sich die Türen und ein Mann kommt herein. Alle springen plötzlich von ihren Sitzen auf und fangen an zu applaudieren (wir haben einfach mal mitgemacht)

Nachdem wir ein unauffälliges Foto geschossen haben und es Faudiha schickten stellt sich heraus, dass der Herr der Umweltminister von Tansania ist. Nach einer weiteren Rede und vielen gemeinsamen Gruppenfotos wird die Veranstaltung für beendet erklärt.

Der Umweltminister von Tansania 

Man trifft sich vor dem Saal um gemeinsam einen Kaffee zu trinken und ein paar Snacks zu essen. Viele Leute sprechen uns auf unsere Organisation an und wollen Kontakte austauschen. Mindestens genauso oft wollen sie Bilder mit uns machen…

An sich war ein eine coole Veranstaltung und die Leute waren alle mit vollem Eifer dabei. Außerdem haben wir viele interessante Menschen getroffen, die mit ihren Organisationen gute und wichtige Arbeit in Tansania leisten.

Nach einem Ausflug in die Shopping Mall (wir haben noch ein paar Sachen für unseren Haushalt gekauft) machen wir uns auch schon wieder auf den Rückweg nach Bagamoyo.

Alles aussteigen! Nach einer Panne mit dem Bus geht's zu Fuß weiter

Zufällig haben wir im Bus unseren Chef Vincent getroffen der am Mittag mit dem Flugzeug aus Uganda zurückgekommen ist.

Um ca. 21 Uhr haben wir unser Zuhause erreicht und fallen müde in unsere Betten, erschöpft nach einem anstrengenden und aufregenden Tag.

wie immer ein Link, falls es jemanden genauer interessiert: http://www.good-deeds-day.org/

Let’s do it! World Cleanup Day

16Sept2018

 

„Let‘s go and make a difference together!“

Mit den Worten hat uns Faudiha schon am Abend zuvor für die Aktion am nächsten Morgen motiviert: Der World Cleanup Day 2018 in Bagamoyo.

In 150 Ländern weltweit haben sich an 15. September ca. 350 Millionen (5% der Weltbevölkerung) Freiwillige getroffen um Müll und Abfall einzusammeln und aufzuräumen. Mitmachen konnte jeder der Lust hat. Auch bei uns in Bagamoyo haben sich viele Freiwillige gefunden um die Stadt aufzuräumen. 

 

die motivierte Gruppe

So auch wir.  Um neun Uhr morgens ging’s mit Faudiha und ein paar Mädchen aus der Organisation los. Erst zum Hotel „Firefly“, dort haben uns die Organisatoren in Gruppen eingeteilt und uns erklärt wie wir am besten vorgehen. Meiner Gruppe wurde der Quadrant „soko“ (Markt) zugeteilt. Mit Handschuhen und Müllsäcken bewaffnet sind wir also losgezogen um die Straßen von Dreck zu befreien.

Plastikflaschen, festgefahrene Plastiktüten, Dosenreste, Papier: alles wandert in die großen Müllsäcke der Mädchen, die alle eifrig dabei sind. Viele Menschen beobachten uns interessiert und fragen nach was wir da machen. Die Meisten finden das gut, vielleicht hilft der Tag also auch die Menschen ein wenig zu sensibilisieren, wie sie in Zukunft mit Ihrem Müll umgehen.

die Säcke müssen voll werden!

Nach nur 2 ½ Stunden sind die Säcke bis zum Rand voll und wir schleifen sie zurück zum „Firefly“. Zur Belohnung gibt Faudiha in einem kleinen Eckbistro Frühstück aus. Auf unseren Tellern landen die landestypischen Mandazi (frittierte Teigbällchen) und Chai: klassisches Swahilifrühstück.

Dann sind die Mädchen für den Tag entlassen und können heimgehen. Leonie und ich bieten an, mit uns an den Strand zu kommen und ein bisschen zu schwimmen. Das Angebot wird auch von ungefähr der Hälfte der Mädchen angenommen. Also verbringen wir noch einen netten Nachmittag am Strand mit den Mädels.

netter Ausklang des Tages am Strand

Für alle, die sich weiter über den World Cleanup Day informieren wollen: https://www.worldcleanupday.org/

Sightseeing-Tour, wuselige Märkte und Fahrradunfälle: meine erste Woche in Bagamoyo

11Sept2018

Am Mittwoch haben wir uns von den Strapazen der vergangenen Tage erholt. Am Abend waren wir mit Vincent und Faudiha im Poa Poa essen um sich gegenseitig besser kennenzulernen. Ich würde sagen das Lokal avanciert zur Stammkneipe…

Donnerstags hat uns Faudiha den Markt gezeigt und war mit uns Stoffe kaufen und bei einer sehr netten Schneiderin die auch gutes Englisch konnte. Pili hat uns vermessen und sich unsere Wünsche notiert. Heute (Montag) holen wir die fertigen Kleidungsstücke ab, ich bin schon gespannt wie alles raus kommt.

Freitag sind wir schon früh zu einer Fahrradtour aufgebrochen. Unsere Route führte uns zuerst in den Süden Bagamoyo’s, wo die ältesten Überreste einer muslimischen Siedlung in Ostafrika zu finden sind. Die Verfallene Moschee der Kaole-Ruinen wird bis heute genutzt.

Die Kaole Ruinen aus dem 13. Jahrhundert

Die Route von Bagamoyo zu den Ruinen führt am Strand entlang

Nach einer längeren Mittagspause ging’s dann mit unserem Sightseeing Programm durch Bagamoyo-Town weiter. Leider wurde unsere Tour recht schnell unterbrochen, als vor dem Old Fort in dem früher die Sklaven nach Sansibar verkauft wurden, Faudiha recht unfreundlich von drei Museumsmitarbeitern angehalten wurde die Führung zu unterlassen oder eine Strafe für uns alle zu zahlen. Wir haben natürlich mit unseren recht beschränkten Swahili-Kenntnissen nicht verstehen können worum sich der Streit dreht auf den Faudiha sich eingelassen hat. Auf Geheiß von Vincent haben wir uns ins Poa Poa gesetzt und über eine Stunde auf Fau gewartet bis die Diskussion sich gelöst hatte. Sie hat sich dann für die Verzögerung entschuldigt meinte aber, dass das nunmal der Swahili-way wäre: Die Themen und Fragen müssen ausdiskutiert werden und da kann alles andere warten.

In der Dämmerung setzten wir unsere Tour zu den im Norden gelegenen Salzfeldern fort.

Das Old Fort

Kurze Pause am Strand in der wir auf Faudiha warten

Die Salzfelder imm Norden Bagamoyos

Im Dunkeln ging’s dann zurück zum Fahrradverleih. Die Straßen sind nicht beleuchtet uns so habe ich leider den Grünstreifen und den dahinter liegenden, offenen Abwasserkanal übersehen…  (ich finde sowieso, dass das echt gefährlich ist, dass die Kanäle offen an den Straßen entlang verlaufen)

Also lag ich kurz darauf unter meinem Fahrrad eingeklemmt im dreckigen Kanal. Vincent und Mchina haben mich sofort rausgezogen und außer einem offenen Knie und Ellenbogen, mehreren Blutergüssen am Oberschenkel und einem traumatischen Fahrraderlebnis fehlt mir wohl nichts.

Trotzdem bin ich am nächsten Morgen mit Mchina ins Krankenhaus gefahren, nur um sicherzugehen, dass die Wunden richtig abheilen. Die Doktorin verschrieb mir Penicillin und Paracetamol. Für mich ist der Samstagsausflug auf die Sandbank also zugunsten einer großen Mütze Schlaf ausgefallen.

Sonntagmorgen waren wir in der katholischen Kirche in Bagamoyo, es war bereits die zweite Messe die an diesem Tag gehalten wurde und die Kirche war bis zum Anschlag voll. Wir haben zwar so gut wie nichts verstanden, unterhaltsam war der Besuch trotzdem: die liturgischen Gesänge unterscheiden sich kaum von denen die wir aus der Kirche in Deutschland kennen und der Gospel Chor macht ganz schön Stimmung! Anscheinend haben wir auch für einen Lacher gesorgt, als der Priester in der Predigt irgendwann mzungo (die Weißen) sagt sich richtig viele Gemeindemitglieder zu uns umdrehen und anfingen zu lachen. Was so lustig an uns war haben wir nicht herausgefunden.

Die katholische Kirche Bagamoyos vor dem Gottesdienst

Am Montag haben wir von Pili, unserer Schneiderin die Kleider abgeholt (sie sind wirklich schön geworden), Faudiha hat uns den Montagsmarkt TopTop gezeigt, wo man so ziemlich alles zu sehr kleinen Preisen kaufen kann. Also haben wir uns mit Wischmopp, Tassen und Waschmittel ausgestattet (besonders Leonie hat sich über das Putzzeug gefreut, sie hat einen kleinen Ordungsfimmel).

  Der harmlose Teil des Montagsmarkts TopTop

Zur Feier des letzten gemeinsamen Abends in Bagamoyo sind wir alle gemeinsam am Strand essen gegangen, da uns unsere Freunde heute Morgen verlassen haben um nach Mbeya aufzubrechen. Die Woche ist im Flug vergangen und neben dem einen oder anderen weniger schönen Ereignis, habe ich die Zeit mit meinen Freunden sehr genossen. Wir sind in den ersten zwei Wochen zu einer guten Gruppe zusammengewachsen. Es wird ungewohnt sein unsere Wohnung nur noch zu zweit zu bewohnen und morgens aufzuwachen ohne das schon jemand in der Küche sitzt. Trotzdem bin ich gespannt wie wir uns in den Alltag einfinden werden.

Meine

Turbulenter erster Tag in Bagamoyo

07Sept2018

Am Dienstag war es dann soweit: Wir sind nach Bagamoyo aufgebrochen, wo Leonie und ich unser Auslandsjahr verbringen werden. Da unsere Freunde, die in Schulen nach Mbeya gehen noch nicht an ihren Einsatzort können, haben Sie uns begleitet und beginnen Ihr Auslandsjahr erst einmal mit einer Woche Urlaub. Unser Gastgeber in Dar es Salaam, Joseph, war so freundlich uns mit einem Freund zusammen nach Bagamoyo zu bringen, da das mit dem ganzen Gepäck sonst schwierig geworden wäre. Nach einer ungefähr zwei stündigen Fahrt über eine gut ausgebaute Straße erreichten wir unser Ziel. Direkt beim Aussteigen bemerkten wir, wie die Luft feuchter und schwüler ist.

In der Organisation haben uns unsere „Chefs“, Faudiha und Vincent sofort freundlich in Empfang genommen. Leider wurden Sie nicht wie abgesprochen informiert dass wir Freunde mitbringen, sodass zuerst eine kurze Verwirrung herrschte warum so viele Freiwillige angekommen sind. 

Nachdem die Missverständnisse aus dem Weg geräumt waren schickten uns die beiden erst einmal in die Stadt etwas essen und uns umsehen bis unsere Wohnung fertig ist. Nach circa 20-30 Minuten Fußweg erreicht man das historische Zentrum Bagamoyos wo das kleine Lokal „Poa Poa“ liegt.  Auf Empfehlung haben wir uns dort gestärkt. Das Lokal hat einen netten Innenhof und zwei kleine Balkons.

Gesättigt gingen wir weiter durch die Stadt und steuerten das Krankenhaus an, da sich Fabian nicht besonders wohl fühlte. Durch das Warten auf Fabians Testergebnisse umgingen wir auch die Mittagshitze. Zurück zur Forward Step Organization gingen wir über den Strand, vorbei am Fischmarkt und den Fischerböötchen und über den Badeabschnitt des Strandes.

Nachdem wir unsere Wohnung bezogen und uns für die erste Woche einigermaßen Organsiert hatten (es ist sehr eng, da 6 Menschen für eine 2 Personen Wohnung wohl doch etwas zu viel ist) sind wir nochmal in die Stadt um etwas Zu Abend zu essen. In einem kleinen Lokal mit sehr schön eingerichteter Dachterrasse wurden wir auch fündig.

Gegen neun machten wir uns dann auf den Rückweg. Auf der Hälfte der Strecke kamen uns zwei junge Männer entgegen. Kurz bevor Sie uns erreichten wechselten sie die Staßenseite, dann ging alles recht schnell. Inder der beiden hat Ricarda umgerannt und hat Ihre Tasche gepackt, die sie schräg über die Schulter hängen hatte. Leonie hat schnell reagiert und ihm  gegens Schienbein getreten. Die zwei Typen sind dann recht schnell verschwunden und wir haben uns beeilt nach Hause zu kommen. Zum Glück ist niemanden etwas passiert und nichts gestohlen worden. Wir sind noch einmal mit dem Schreck davon gekommen und der erste aufregende Tag in Bagamoyo ging zu Ende. (auch wenn wir in der Nacht kaum ein Auge zu bekommen haben)

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